Kreuz & quer übers Meer – es muss nicht immer Bornholm sein

Kreuz & quer übers Meer – es muss nicht immer Bornholm sein

Zum dritten Mal traten zwei Crews mit Beteiligung unseres Vereins bei der Regatta „Rund Bornholm“ an. Dieses Jahr fand die Langstreckenregatta vom 6. bis 9. Juli statt. Die Strecke führt – wie der Name schon sagt – einmal rundum die dänische Insel Bornholm und wieder zurück.

Verschiedene Vorbereitungen für eine der beiden Besatzungen liefen seit Februar: Chartern, professionelle Proviantlisten, die Übergabe der Geheimwaffe: Lukas´ Gennaker! Zweifel nach dem ersten Kontakt mit Welle und Seekrankheit und Entschluß, es trotzdem zu versuchen. Dann stellte Steffen T. überraschend als zweites Schiff die „Mangold“ zur Verfügung, ein Kielboot mit bewegter DDR-Geschichte. Also sieben Leute auf einer Dehler 38SQ namens „Skanderbeg“ und sechs auf der „Mangold“.

Team „Skanderbeg“: Robert, Eva, Micha, Moritz, Ricarda, Thomas und Rike

Team „Mangold“: Steffen T, Steffen L, Jan, Andreas, Veith und Seb

Freitag: Anreise in Breege – Mangold bastelt schon seit Tagen in Rostock

Robert übernimmt für uns auf der „Skanderbeg“ die Schiffsführung, fährt mit Moritz vor zur Übergabe, so dass wir am Sonnabend gleich früh in die Überführung von Breege nach Warnemünde starten können. Da meint es der Wind schon sehr gut mit uns, und sobald wir aus der wellenärmeren Abdeckung hinter Hiddensee herausschnuppern, lassen sich einige Crewmitglieder in den 5 Beaufort gegenan ihr Frühstück noch mal durch den Kopf gehen. Nach kurzer Zeit ist auch klar, dass die Fock teilgerefft keine Höhe segelt. Also alles etwas schräger zum Aufkreuzen vor dem Darß.

Die Erschöpfung der Crew ist nachmittags spürbar, die Idee wirkt verlockend, gegen 20 Uhr in Prerow einzulaufen – bis zum Blick in die Vorhersage für Sonntag: noch eine Schippe Wind drauf!? Inzwischen haben sich einige etwas erholt, gewinnen am Ruder wieder etwas Farbe im Gesicht und wir entscheiden uns, für einen Ruhetag vor dem Start nach Warnemünde durchzusegeln.

Sonnabend: 5 Bft West Überführung Breege-Warnemünde oha…

Regattavorbereitung ist in vollem Gange: wir können Manöver und Orientierung im Dunkeln mit und ohne Regen üben, am Plotter in Ruhe die Nachteinstellungen ausprobieren und uns über unsere verschiedenen Talente für eine Nachtfahrt klarwerden: Micha und Rike scheint es am wenigsten auszumachen, bei Welle zum Navigieren unter Deck zu gehen und die Crew aus der Kombüse zu versorgen. Dafür belohnt uns gegen 11 ein Feuerwerk über Wustrow, dessen funkelnde Farben der Nieselregen sehr schön verstärkt. Um halb 5 morgens einzulaufen in Hohe Düne erspart uns das Publikum beim Anlegen. Wir wünschen uns von der Besatzung der „Mangold“ nur noch Ruhe bis Mittag zum Ausschlafen und kippen erschöpft nach 21 Stunden in die Kojen.

Sonntag: 6 Bft West Hafentag Warnemünde: ausruhen und klären

Der Sonntag bringt einiges an Klärung: das WC auf unserem Steg ist außer Betrieb, für Stunden mal kein Regen, miteinander sortieren, was für uns realistisch machbar ist und was nicht, die Regattaleitung verkürzt die Bahn wegen aufziehenden Sturms aus West auf eine Tonne vor Kap Arkona statt Bornholm.

Noch mal gemeinsam mit der Crew der Mangold Energie am Buffet bunkern, eine Nacht ausschlafen und morgens entscheiden: Wir starten in den 5 Beaufort aus West mit dem Feld und beobachten das Wetter bis Arkona – denn die Kreuz nach Hohe Düne zurück ist identisch mit unserer Anreise – nicht für alle eine schöne Erinnerung… Lieber weiter nach Bornholm und dort den Sturm am Dienstag durchziehen lassen – Regatta hin oder her? Die „Mangold“ startet in der Gruppe hinter uns, so dass wir nicht mehr viel voneinander sehen, die 20 Knoten Windgeschwindigkeit verbitten sich den Gennaker, also mit Schmetterling experimentieren und mit steifen Beinen in der Fockschot von einem Spi-Baum träumen.

Montag: 4-5 Bft West, Westnordwest Start und Havarie an der Wendemarke nördlich von Arkona

Der Wind legt noch mal zu auf 25 Knoten, als wir uns der unbeleuchteten Spierentonne gegen 20:45 Uhr nähern. Hier hakt das Achterlik unserer Fock das Thema Regatta für uns endgültig ab und stellt uns stattdessen eine neue Frage: Schafft Ihr es, mich auf Bornholm binnen eines Tages wieder annähen zu lassen?

Denn ohne Fock erscheint es aussichtslos, zurückzukreuzen. Da uns auch unsere Charterfirma Mola keinen Segelmacher auf Bornholm unter Vertrag hat, laufen wir unter Großsegel im 2. Reff ab nach Saßnitz, Welle von achtern und durchgehend über 8 Knoten auf der Logge. Kurze Pause im Wind- schatten der Kreidefelsen, im Nieselregen nur verschwommen nachtblau an Steuerbord zu ahnen, dann gegen 2 Uhr morgens einlaufen in Saßnitz (ohne Publikum, s.o.).

Dienstag: 6-7 Bft West Hafentag in Saßnitz, Fock zur Reparatur, Mangold in Barhöft

Mola steht Dienstag mittags im Hafen, um die Fock abzuholen – und bringt sie Mittwoch vor 9 Uhr repariert zurück. Chapeau! Wir hatten einen Tag Pause, den der Sturm über uns hinweggezogen ist. Die „Mangold“ ist nach Barhöft abgebogen, und wir konnten uns Gedanken machen, was wir mit den letzten 3 Tagen unseres gecharterten Bootes anfangen wollen?

Blick auf die Wettervorhersage: durchgehend West mit 4-5 Beaufort, Blick auf die Karte: von Saßnitz aus am bequemsten nach Norden oder Süden – wie wär´s spontan mit Schweden? Für alle, die hier schon öfter unterwegs waren, erscheint das unspektakulär – für die anderen ist es verblüffend und eine kurze Zeitreise zu unseren Eltern, für die das bis 1990 unmöglich war!

Mittwoch: 5 Bft West Kurs Schweden, Kaeseberga

Immer noch reichlich Wind beschert uns einen buchstäblichen Wellenritt, Kurs Nord, zwischen zwei Windparks hindurch und an den Verkehrstrennungsgebieten entlang. Die Mägen der Crew senden Friedenssignale, so dass in Kaeseberga angekommen Räucherfisch, Anlegebier und Brot mit uns im Abendlicht auf die Klippe zum Picknick am Ale´s Steen wandern.

Donnerstag: 4 Bft West, Südwest zurück nach Kloster

Für Donnerstag ist etwas weniger Wind angesagt, doch leider bleibt es nicht bei der angesagten Richtung Nordwest. Wir hatten den Gennaker schon an Deck und freuten uns auf die Abwechslung, aber bei Südwest gab´s wieder einiges zu kreuzen. Das lief erfreulich gut, mit 6 Knoten im 1. Reff und guter Höhe bei einer Lage, die sogar Kochen erlaubte. Gemütlich abends ankern hintern Kap Arkona oder gleich weiter Richtung Kloster, solange es noch Wind gibt? Die Vorschau für Freitag versprach wenig, und wer tuckert schon gern 30 Seemeilen bei Flaute unter Motor, wenn es stattdessen zum dritten Mal das Feuerwerk der Störtebeckerfestspiele in Ralswiek zu sehen gibt?

Mit Antritt meiner Wache nähern wir uns dem Tonnen-Salat vor Hiddensee und erleben unser ganz eigenes „Feuerwerk“ aus getakteten Leitfeuern und Fahrwassermarkierungen – alle Mann sind hochkonzentriert an Deck, Plotter, Tablet, Seekarte, Spickzettel, Suchscheinwerfer für die unbeleuchteten Exemplare besetzt und Thomas mit Fernglas und hervorragender Nachtsicht auf dem Vorschiff – so arbeiten wir uns nach Kloster vor. Ohne Ricarda hätten wir darüber fast den spektakulären Mondaufgang über Rügen verpaßt. In guter Tradition laufen wir gegen 2 Uhr morgens ein, nehmen einen Nachtschluck, kippen in die Koje.

Freitag – 2 Bft West, drehend Hafentag auf Hiddensee, Rückkehr nach Breege

So bleibt uns der Freitag für eine Wanderung zum Leuchtturm und ausgiebiges Baden, bevor wir uns ganz gemütlich spätnachmittags mit 2 bis 3 Knoten vor dem Wind Richtung Breege rausschleichen. Die Stille genießen, mal nicht an Deck festkrallen und essen, ohne daß das Rührei von der Gabel weht: ein willkommener Abschluß mit Anlegen Punkt Sonnenuntergang im Chartersteg.

„Paßt ja gar nix rein?!“, sagt der Tankwart am nächsten Morgen. 10 Liter Diesel auf 312 Seemeilen? Da waren wir wohl segeln, Kreuz und quer.